Klimainitiative Edingen-Neckarhausen

Klima-Initiative
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Ihre Fragen

Manche Fragen tauchen immer wieder auf. Weiter unten finden sich erste Antworten. Wenn Ihre Frage nicht dabei ist, sprechen Sie uns einfach an. Nehmen Sie Kontakt auf unter info(at)klimainitiative-edingen-neckarhausen.de
Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.

Das offene Anschreiben zu unserem abgegebenem Einwohnerantrag sowie unsere Forderungen (Ziele) findet Ihr hier (Bitte auf die folgende Schaltfläche klicken)

Was möchte die Klimainitiative bewirken?
Die Klimainitiative will, dass Edingen-Neckarhausen bis 2035 klimaneutral wird. Sie lädt die Bürger unseres Ortes ein, Position zu beziehen und zu unterzeichnen. Sie möchte erreichen, dass sich der Gemeinderat zu diesem Ziel bekennt und unseren Ort mit schnellen und transparenten Beschlüssen auf den Weg dorthin bringt. Siehe Unser Ziel.

Warum brauchen wir eine Klimainitiative? Wird nicht sowieso schon viel getan?
Den Klimawandel aufzuhalten ist eine Riesenaufgabe. Eine Solaranlage hier und ein Elektroauto da, sind ein guter Anfang, werden aber nicht ausreichen. Klimaschutz ist kein Projekt unter vielen, sondern Grundlage für alles und muss höchste Priorität haben. Wir brauchen ein systematisches, ambitioniertes und mutiges Vorgehen. Corona hat gezeigt, dass die Politik das kann. In Edingen-Neckarhausen existiert seit 2017 ein Klimaschutzkonzept. Gemessen an der Größe der Aufgabe muss allerdings noch viel passieren.

Ist so viel Klimaschutz wirklich nötig?
Ja. Es ist nötig, weil es den Einschätzungen des Weltklimarats entspricht und weil die internationalen Beschlüssen von Paris es vorgeben. Es ist nötig, weil es die beste Chance ist, unsere Lebensqualität und unsere Wirtschaftskraft auch in Zukunft zu erhalten und gefährliche Klimaveränderungen zu verhindern. Es ist nötig, weil es um unsere Kinder und Enkelkinder geht. Siehe Begründung.

Warum denn schon 2035?
Die globale Durchschnittstemperatur steigt an und führt bereits heute zu Klimaveränderungen. Um gefährliche Entwicklungen zu verhindern, muss der Temperaturanstieg auf 1,5° C (max. 2° C) gemäß Pariser Klimaabkommen begrenzt werden. Gefährliche Entwicklungen bedeuten, dass z.B. durch einen weiteren Temperaturanstieg Permafrostböden auf der Welt auftauen und gespeichertes CO2 freigeben und damit eine irreversible Entwicklung eingeleitet wird. Der Weltklimarat hat 2018 ermittelt, wie viel CO2 noch ausgestoßen werden kann, ohne dass diese Grenze überschritten wird. Wenn wir weitermachen wie bisher, ist die Grenze in 7 Jahren erreicht. Wenn wir unseren CO2-Ausstoß jedes Jahr um die gleiche Menge senken, dann sind es noch 15 Jahre: 2035. Siehe Begründung.

Ist das überhaupt zu schaffen?
Der Weltklimarat kommt in seinem Bericht 2018 zu der Einschätzung, dass es finanziell und technisch machbar ist. Andere Städte wie Marburg, Tübingen, Gießen, München, Düsseldorf, Bonn, Soest sind ebenfalls überzeugt, dass es möglich ist und haben sich der Aufgabe bereits verpflichtet. Kopenhagen hat seinen CO2-Ausstoß in 12 Jahren um 42% gesenkt und ist zuversichtlich, bis 2025 klimaneutral zu sein.

Kann der Gemeinderat so einen weitreichenden Beschluss überhaupt fassen? Was, wenn es nicht gelingt?
Die Gemeinde hat mit der Umrüstung der Strassenbeleuchtung auf LED 2018 begonnen und 2019 die Beleuchtung der Pestalozzi-Turnhalle und der Werner-Herold-Halle in Edingen auf energiesparende LED-Beleuchtung umgerüstet.
 
Es gibt also positive Ansätze …
 
An dieser Stelle muss die Arbeit konsequent fortgesetzt werden. Es müssen die notwendigen Massnahmen vom Ziel Klimaneutralität her gedacht und weiter entwickelt werden.
Wir wissen, dass Klimaneutralität dringend anzustreben ist. Es gibt viele Hinweise, dass sie zu erreichen ist (siehe Frage “Ist das überhaupt zu schaffen?”). Teilschritte in diese Richtung sind ein Gewinn. Das zusammen ist Grundlage genug für einen Beschluss.
Es ist keine Schande, sich intensiv zu bemühen und zu scheitern. Schlimm ist, es nicht zu versuchen. Wenn der Gemeinderat wirklich die feste Absicht hat, alles daran zu setzen, die Klimaneutralität zu erreichen, kann er das auch beschließen.

Was müssen wir für einen klimagerechten CO2-Fußabdruck erreichen?
Eine erste Annäherung an eine Definition von Klimaneutralität wäre, dass der menschliche Lebenswandel keinen Einfluß mehr auf das Klima hätte. Das würde bedeuten, dass der CO2-Fußabdruck der Menschheit neutral und damit quasi unsichtbar wäre.
Wenn man versucht die Definition genauer zu fassen, landet man bei einer sperrigeren Definition:
Klimaneutralität wäre erreicht, wenn menschliche Aktivitäten keinen Netto-Effekt mehr auf das Klimasystem hätten. Einen solchen Zustand zu erreichen, erfordert, dass den nicht vermeidbaren, verbleibenden CO2-Emissionen eine gleiche Menge an CO2-Emissionen gegenübersteht, die aus der Atmosphäre entfernt werden müssen. Die Verrechnung weiterer Effekte menschlichen Lebenswandels sind hierbei ebenfalls einzurechnen, wie z.B. die Rückstrahlung der von der Erdoberfläche reflektierten Sonnenstrahlung.
Im Originaltext des Weltklimarats wird Klimaneutralität so definiert:
"Concept of a state in which human activities result in no net effect on the climate system. Achieving such a state would require balancing of residual emissions with emission (carbon dioxide) removal as well as accounting for regional or local biogeophysical effects of human activities that, for example, affect surface albedo or local climate."
Damit müßten wir laut Umweltbundesamt die CO2-Emissionen in Deutschland von 11,2 Tonnen CO2 pro Person auf unter 1 Tonne herunterfahren, um einen klimagerechten CO2-Ausstoß zu erreichen.



Aber was heißt das für Edingen-Neckarhausen ganz konkret?
Zur Frage, wie kommunaler Klimaschutz umzusetzen ist, gibt es Fachleute in Edingen-Neckarhausen und darüber hinaus. Edingen-Neckarhausen hat ein eigenes Klimaschutzkonzept und erste Analyseschritte (z.B. Energiebilanz) und Maßnahmen, sind hieraus hervorgegangen und bieten gute Ansatzpunke zur Weiterentwicklung.

Aber die in unserem Klimaschutzkonzept genannte Zielmarke (2050) und Art des Zieles (Reduktionsziel) reichen nicht und müssen von einer neuen Zielmarke (2035) und Zielart (Klimaneutralität) her gedacht werden. Genannte Ausbaupotentiale in den Bereichen Solarthermie und Photovoltaik müssen z.B. viel stärker durch entsprechende (Förder)Massnahmen ausgeschöpft werden.

Die Koordination und Beschleunigung der Maßnahmen z.B. durch eine im Klimaschutzkonzept auch genannte Klimaschutzmanager*in sowie eine Bewertung der Maßnahmen der Gemeinde auf ihre Zielgerichtetheit durch ein unabhängiges Gremium sind weitere Umsetzungsschritte.

Die Pläne anderer Städte drehen sich regelmäßig um die Handlungsfelder Gebäude/Wärme, Verkehr, Stromerzeugung, Industrie, ggf. ergänzt um Konsum/Ernährung, in denen die Stadt in verschiedenen Rollen agiert: als Vorbild, Versorgerin, Reguliererin, Beraterin. Die Ausübung dieser Rollen ist auch in Edingen-Neckarhausen zu diskutieren.
 
In jedem Fall bieten die Ansätze und Aktionspläne anderer Städte Anregung und gute Ansatzpunkte für unseren Ort.

Die Klimainitiative könnte ein eigenes Maßnahmenprogramm präsentieren, doch wozu? Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Kommunaler Klimaschutz ist keine Frage der Machbarkeit oder der revolutionären Ideen, sondern eine Frage von Willen, Konsequenz und Fleiß.
Andere Städte haben auch hier schon Klimaaktionspläne entwickelt, die als Orientierungspunkte dienen können.

Wie kann man das Ziel Klimaneutralität konkret in Zahlen und Zwischen-Ziele herunterbrechen?
Ist das Ziel Klimaneutralität zu allgemein? Das Ziel ist sehr präzise. 2035 ist ein präziser Zeitpunkt. Klimaneutral ist ein messbarer Zustand. Vielleicht meinen Sie eher, dass das Ziel ein sehr großes Ziel ist? Das ist richtig. Deshalb wird es nötig sein, das Ziel, wenn es einmal beschlossen ist, in Zwischenziele herunterzubrechen.

Das Hauptziel Klimaneutralität kann im Zuge einer Umsetzung durch einen CO2-Budget-Ansatz operationalisierbar gemacht werden. Bei diesem Ansatz wird der Bogen von dem seit der Industrialisierung bereits ausgestoßenem CO2 bis zu einer noch durch das Klimasystem aufnehmbaren CO2-Restmenge gespannt. Dieses maximal vom Klimasystem verkraftbare CO2-Budget kann jetzt auf alle Länder verteilt werden. Dabei wird die Historie an CO2-Emissionen berücksichtigt.

Für Deutschland, aber zunächst erstmal mit einem zurückliegenden Startjahr 2018, würde das CO2-Restbudget bei 7,3 Gigatonnen liegen, welches bis Mitte/ Ende der 30er Jahre auf Null heruntergefahren werde müßte:



Wenn man vom weltweiten CO2-Restbudget ausgeht (z.B. Angaben vom Umweltbundesamt) und dieses mit den Bevölkerungsanteilen für Deutschland bzw. Edingen-Neckarhausen gewichtet, landet man bei einem CO2-Restbugdet für Edingen-Neckarhausen von 752 Megatonnen. Startjahr für den Absenkpfad ist hierbei der 01.01.2019. Das veranschlagte Gradziel ist 1,75°C. Bei einem linearen Absenkpfad sind somit 4.900 Tonnen pro Jahr an CO2-Reduktionen notwendig.
Diese Berechnungen werden von einigen Größen und Parametern bestimmt, die der Unsicherheit unterliegen, z.B. welches Gradziel wird angestrebt, wieviel CO2-Budget ist 2019-2021 bereits aufgebraucht worden etc.



Quelle: S. Rahmstorf, PIK Grafik: Kimaschutz+ Stiftung e.V.

Was kann ich tun?
Nach Abgabe des Einwohnerantrags zur Klimaneutralität geht es jetzt darum unser aller Anliegen zum Ortsgepräch zu machen, in dem man mit vielen Menschen und Mitbürger:innen darüber spricht und zwar mit:
  1. unseren Gemeinderät:innen,
  2. unseren Vertreter:innen in der Gemeindeverwaltung,
  3. unserem Bürgermeister Unterzeichnen
  4. unseren Vereinskamerad:innen
  5. unserer Familie und unseren Freunden
  6. ...
Diskutieren Sie über die Selbstverpflichtung zur Klimaneutralität und darüber, welche Klimaschutzmaßnahmen aus Ihrer Sicht am meisten für unseren Ort bringen würden. Sprechen Sie in Ihrem Umfeld über unsere Klimainitiative für Edingen-Neckarhausen. Leisten Sie Ihren eigenen Beitrag zum Klimaschutz. Wenn Sie sich darüber hinaus bei uns einbringen möchten, sprechen Sie uns gerne an.

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